Prunksitzung in Camelot/Main (2001)

Anno Domini 1137 geschah es, daß der Elferrat von Camelot zusammenkam, um den Bericht des Präsidenten zu hören. König Artus rückte seine Kappe zurecht und stieß gegen das Glöckchen an der Spitze, bevor er zu reden begann:


Ihr Leut' - die Suche nach dem Gral,
Die wurde uns zur rechten Qual.
Doch könnt ihr euch denke, keine Frage,
Mir sin' jedem Monster an de Krage.
Begonne hat alles in Camelot
Doch bald mußte mer schon von hier fort.
Mer hörte ja, landauf und -ab,
Der Gral, der is ja net von Papp.
So ham mer unsre Säck geschnürt,
Des Schwert net vergesse, die Supp angerührt,
Dann sin mer ausm Tor hinaus,
Von unser Leut gab's groß Applaus.
Zuerst wußt mer net, wo's hingehn sollt,
So ganz ham mer ja aach net fort gewollt,
Doch wenn mer wird von Gott geschickt,
Sollt mer davon ausgehn, daß der richtig tickt.


Des Wetter war schön, das Gras war so grün,
Es ließ sich gut reite, mer mußt sich net mühn,
Mir ham laut gesunge un auch viel gelacht,
Bis ein Gewitter über uns hat gekracht.
Mer konnt gar net gucke, so schnell wurd mir naß,
Un da wurd uns klar: Die Reis' wird kein Spaß!
Mir stande dritschdröppelchenaß in der Höhl'
Da ging's aach scho los, so ein dumpfes Gegröhl.
Grad hinner uns, dort drinne im Dunkel,
War wer überhaupt net uff Gemunkel,
Mir also das Schwert raus und los mit Gebrüll,
Vier Drache geköppt - aber mit viel Gefühl.
Des Abendesse war so aach gerettet,
Un bevor mir uns all ham zur Ruhe gebettet,
Wurd noch so mancher Schoppe gepetzt
Un beim Drachensteak die Messer gewetzt.


Wo mir unnerwegs warn, hat mer kaum wen gesehn,
vor allem kei Hesse, un des war echt net so schön.
Die Leut, die uns da entgege kame,
Die hatte all so fremdländisch Name.
Uns war se auch gleich klar, die Sach:
Mir sinn halt weit weg von Offebach.
Der Gral is net daheim um die Eck,
Nur desweche warn mer so weit weg.
Ich dacht so an mei Frau daheim,
die Gwynnifer is jetz ganz allein,
Zum Glück hat sie Begleitung dort,
En Kerl aus Mannheim - den Lanzelot.


Die Bauern warn uff de Wies mit de Sens,
Schon kame mer an die Zonegrenz.
Mir also schnell rüber un die Auge weit uff,
Un wär da de Gral - dann nix wie druff.
Mir wurde schon müd, wer wär das net,
Also los in die Schänke und ab ins Bett,
Ich selbst bin noch in die Küch geschliche.
Um e bissche was zum Beiße zu krieche.
Ihr Leut, jetzt ratet ma, was ich dort erblick:
Im Kücheschrank seh ich's, und es macht klick,
Dort hinner Glas steht tatsächlich der Gral!
Ich mach die Tür uff un nehm ihn halt mal.


Der Gral der war echt von großer Pracht,
Ihr sehts ja - ich hab en Euch mitgebracht.
Un ich war mit dem Ding net scheu,
Ich hab was reingeschütt - Äppelwoi!
Kaum war der ärgste Durscht gestillt
Hab ich die annern aus de Bette gebrüllt
Bald warn mer scho wieder uff de Walz,
"Macht hinne!" hab ich gesacht, "sonst knallt's!"


De Ritt in die anner Richtung ging schnell,
Wenn mer de Weg kennt, kann mer Gas gebe, gell?
Schon warn mer wieder im Hesseland,
Die Leut an der Straße, die war schon gespannt.
Ich halt den Gral hoch un das freute die Leut,
mir hatte ja auch kei Gefahr gescheut.
Mir war nach em Tänzche mit Gwynnifer,
Un so Gott will, vielleicht aach noch mehr.
Ich geh so die Trepp nuff zu unserm Gemach,
Komm in des Zimmer und versteh gleich die Sach:
Der Lanzelot hat mei Fraa angebaggert,
Während ich mich weit fort für sie abgerackert.
Ich tat was ich tun mußt, und ich tat es fix,
En Mannheimer ohne Kopp vermißt ja aach nix.


Das Fest ging los, ganze drei Tage,
Schnapsleiche warn nur e paar zu beklage
Mer ham so manches Faß leergemacht
Drum nannt mir das Fest halt "Fassenacht".
Mer kann net nur trinke, mer muß aach absetze,
Der Harndrang kann einem des Saufe vergrätze.
Der Gral, der hat mich schon oft gerett',
Er steht bei mir nämlisch unnerm Bett!
Zum Abschluß sag ich Euch nach altem Brauch:
Der Gral ist jetzt voll - ich bin es auch.

(c) 2001