Mit Hochzeitstagsfeierlichkeiten hatten wir bisher wenig Glück.
Letztes Jahr fuhren wir nach Lauterbach. Mein Geburtsort hat einiges zu bieten - nicht nur eine exzellente Buchhandlung (in der es weltexklusiv signierte "Funkloch"-Exemplare gibt), sondern auch viele Möglichkeiten (man muss fast beide Hände nehmen, um sie abzählen zu können), um in trauter Zweisamkeit schön zu essen und gemütlich zusammenzusitzen. Es war ekelhaftes Wetter, das eine Restaurant hatte geschlossen, das andere war menschenleer und wir wollten nicht die einzigen Gäste sein. Wir waren früh wieder zu Hause und genervt.
Dieses Jahr sollte alles anders werden. Statt nach Lauterbach fuhren wir in die andere Weltstadt von Mittelosthessen - nach Fulda!
Plan: Beim Chinesen essen und dann noch woanders gemütlich einkehren.
Beim Chinesen begrüßte uns ein Schild: "Betriebsferien von 1. bis 29. Juli". Gestern war der 29. Juli. Da fiel uns ein Restaurant-Cafe ein, in dem es leckere Tortilla gibt - nicht chinesisch aber immerhin. Frohgehmut bestellten wir Getränke und Essen. Und bekamen: Getränke und die Information, dass die Küche geschlossen hatte. Immerhin erhielten wir als Geheimtipp, dass es drei Ecken weiter noch einen anderen Chinesen gab.
Wir tranken.
Und als wir dann endlich vor dem Geheimtipp-Chinesen standen hatten wir eigentlich keine Lust mehr, noch groß was zu essen.
Wir entschieden um: eine schnelle Kleinigkeit sollte reichen, und wir beschlossen, das zu tun, was ein westeuropäisches Akademikerpaar üblicherweise am Hochzeitstag macht: ins Burger-King-Drive-In fahren. Denn die hiesige Nahrungskette wird vor allem durch zwei Institutionen aufrechterhalten: durch Tankstellen und seit dem Sieg der Nordstaaten auch durch effiziente Systemgastronomie aus Übersee. So etwas muss unterstützt werden.
Ich bestellte Whopper.
Und die Frau schaute mich tieftraurig an: "Wir ham leider keine großen Brötchen mehr."
Ich musste mich beherrschen, nicht ins Lenkrad zu beißen. Vom Beifahrersitz schallte hysterisches Kichern in die Nacht.
Wir bekamen die Fleischeinwaage des Whoppers in Form von mehreren kleinen Bulettenbrötchen und verließen das Drive-In mit quietschenden Reifen, damit uns auf dem Highway niemand lachen hören konnte.
Morgen machen wir in Frankfurt eine Schifffahrt.
Wir vermuten, dass kurz vorher der Main abgepumpt wird, um die Fahrrinne zu reinigen.

