Oktober 2008
Nachfolge-Niederungen
Der zweite Teil einer Trilogie endet mit Tod und Verderben. Und wenn nicht das, dann mindestens mit Aussichtslosigkeit. Besonders in Filmen fällt das auf.
Warum? Bei Filmen ist es offensichtlich: Der erste Teil war erfolgreich, also wird ein Nachfolger gemacht. Und damit daraus eine Reihe wird, die längerfristig Kohle einfährt, endet der zweite Teil mit einem dramatischen Cliffhanger. Und allzu oft werden Teil 2 und 3 auch parallel produziert, dann kann man es sich erlauben, das Ende von Teil 2 offen zu lassen.
Beispiele? Matrix Reloaded. Fluch der Karibik 2.
Tote Protagonisten ...
Ob ich dieser Versuchung auch nachgegeben habe?
Hasch mich, ich bin der Marathonmann
Die Medaille knallt gegen meine Schneidezähne.
Peinlich berührt entschuldigt sich die Frau, die sie mir umgehängt hat. Entweder ist mein Gesicht zu lang oder das Band zu kurz.
Egal. Die Schneidezähne könnten abbrechen und würden den Schmerz in den Oberschenkeln nicht übertönen. Ich grinse die Frau nur dämlich an und stolpere weiter nach hinten. Jemand reicht mir eine Folie und ich mache mich zur Mumie. Dann schlurfe ich nach draußen. Wasser. Schorle. Was auch immer. Her damit. Denke ich zumindest. Dann merke ich, dass ich gar keinen Durst habe, es hat mich nur die Gewohnheit nach dem Becher greifen lassen. Alle 2,5 Kilometer gab es eine Verpflegungsstation, überall habe ich ein oder zwei Becher getrunken. Dürfte sich auf ca. drei Liter summieren. Außerdem habe ich drei oder vier Bananen gegessen. Und die sechs Powergels aufgebraucht. Kurzum, ich habe bei diesem Lauf wohl mehr zu- als abgenommen.
Das Gedrängel jenseits der Ziellinie und im Freibereich zwischen den Messehallen wird immer größer. Denn dort dürfen auch Freunde und Angehörige der Läufer hin. "Familienzusammenführung", nannte es ein Läuferkollege, der vor dem Lauf neben mir durch die Hallen geirrt war, und ich dachte an die Korea-Grenze und eine entmilitarisierte Zone.
Und genau so sah es hier früh morgens noch aus.
Ich bin gern pünktlich. Vor allem dann, wenn ich nicht weiß, wie groß der Andrang wird, und bei mehreren tausend Läufern wird der vermutlich, nun, groß. Und die Abläufe bei einer solchen Massenveranstaltung sind mir auch nicht klar, also lieber zu früh als zu spät hin. In der S-Bahn gegen 7.15 gibt es außer mir keinen Hinweis, dass in wenigen Stunden der Marathon startet - nur die übliche Horde Übernächtigter gondelt durch die Frankfurter Höhlen, kein Läufer weit und breit. Auch am Hauptbahnhof ist keiner zu sehen. Ich schlendere Richtung Messe. Die Straßen sind noch nicht abgesperrt. Ich bin ganz alleine unterwegs. Bin ich in der falschen Stadt? Heißt der Frankfurt-Marathon nur so und findet woanders statt, so wie mit Hoffenheim, die in Mannheim spielen? Nein - da! Ein Läufer! Ein Mann im Trainingsanzug! Komische Schuhe hat der ... keine Schuhe. Latschen. Und sicher kein Läufer. Nur einer, der morgens im Trainingsanzug und Adiletten zur Trinkhalle läuft. Und dabei sicher keine Zielzeit jagt.
Ich gehe weiter. Ein Asics-Torbogen wird aufgeblasen! Das erste eindeutige Zeichen, dass tatsächlich hier ein Marathon stattfinden soll.
Und vor dem Messeturm sehe ich den ersten Läufer. Einen echten.
Er läuft sich warm.
Dick eingemummelt, Kappe, Sonnenbrille, Kopfhörer - und mitten auf der Straße. Entweder ein echter Profi oder ein verängstigter Anfänger. Ich tippe auf letzteres. Nur ein solcher würden so früh zu einem Marathon kommen ...
Endlich - in den Messehallen sind eindeutig echte Läufer. Sie haben schon die Startunterlagen geholt, einige sogar die Startnummern angepappt und lümmeln sich nun dumm rum. Ich hole meine Unterlagen und lümmele mit.
Zwischen acht und halb neun öffnen sich die Schleusentore. Die Massen kommen. Selbst an der Herrentoilette muss man anstehen. Ich mache eine kleine Ortsbegehung der Festhalle (also Zieleinlauf), stelle mich zur Vogelsberger Abordnung aufs Gruppenbild und setze mich in eine Ecke, zähle die Minuten runter.
Seltsamerweise bin ich nicht aufgeregt. Kein Stück. Wirklich nicht. Das war am Vortag noch anders. Jetzt bin ich einfach nur sicher, dass ich das schaffe. Ohne Psychotricks. Einfach so.
Viertel vor zehn. Ab in den Startblock - in den vorletzten, zu all den anderen Langsamtretern. 4:45:00 habe ich bei der Anmeldung als Zielzeit angegeben. 4:15:00 könnte drin sein, wenn es gut läuft. Startschuss. Fünfzehn Minuten warten. Dann überquere ich auch die Startlinie.
KM 4. Der rechte Oberschenkelmuskel meldet sich wieder. Verdammt. Schon jetzt? Ich summe im Geiste "Hell's Bells", weil mir das gerade einfällt.
KM 12. Es läuft gut. Der Muskel hat die Proteste eingestellt. Das Feld lockert auf. Der Main wird überquert und das Museumsufer erobert. Ich habe den Streckenplan im Kopf. Es geht nun nach Niederrad und Schwanheim. Der lange, dunkle Fünf-Uhr-Tee der Seele.
KM 21. Halbmarathon in ca. 1:59. Ungefähr zwei Stunden hatte ich angedacht - nicht zu schnell, aber nicht zu langsam. In Schwanheim spielt eine Blaskapelle das Rocky-Thema und grimmig aussehende Männer in beigen Mänteln vor Trinkhallen funkeln einen an.
KM 28. Zurück auf der nördlichen Main-Seite und Höchst erfolgreich durchquert. Die Oberschenkel melden, dass sie bereit für Krämpfe sind und nur aufs "Go" warten. Am Horizont sieht man den Messeturm. Ja, am Horizont. Immer mehr Mitläufer stellen das Laufen ein und gehen. Sie werden Opfer der gutmeinenden Zuschauer, die diese Läufer gezielt anfeuern. Ich sehe einen, der langsam schlurft und von einem Zuschauer mit Megafon angebrüllt wird: "KOMM, ANLAUFEN, DU PACKST DAS, IST NICHT MEHR WEIT, HÄNG DICH AN DEN DRAN, LOS!" Der Läufer würde ihm offenbar am liebsten das Megafon aus den Händen reißen und auf die Birne geben, aber dazu fehlt ihm die Kraft.
KM 36. Das war's. Ende. Ich muss gehen. Die Oberschenkel zucken im Samba-Rhythmus. Schluss. Bin ja schon in Frankfurt, muss nur umdrehen und zur Messehalle schlurfen. Aber bald kommt die nächste Verpflegungsstelle. Die geht noch.
KM 38. Wieder Schluss. Jetzt geht nichts mehr. Vielleicht noch bis zur nächsten Verpflegungsstelle ... höchstens.
KM 41. Es muss. Irgendwie. Immer mehr Zuschauer links und rechts. Jetzt mit einem Krampf auf dem Boden wälzen ... das wäre zu peinlich. Schmerzschmerzschmerz. Laufen ohne Oberschenkeleinsatz, nur mit den Waden. Feinmotorische Höchstleistung. Abbiegen zur Festhalle. ZIEL! Direkt hinter der Ziellinie stürze ich fast über Sanitäter mit einer Trage, auf die ich mich fast fallen lasse. Ich schlurfe weiter. Kann nicht recht glauben, dass es geschafft ist. Eine Treppe. Wie fies: eine Treppe wenige Meter hinter der Ziellinie. Es sind nur ein paar Stufen, aber jede ist so schwer wie der letzte Kilometer. Ich höre das Klirren der Medaillen und senke demütig mein Haupt.
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Aber kommen wir lieber zur Abrechnung des großen Drachenwächter-Gewinnspiels!
Den Super-Sonderpreis - die Löffler-Fantasy-Flatrate - hat niemand gewonnen. Kein Mensch hat es gewagt, beim Fulda-Halbmarathon oder beim Frankfurt-Marathon direkt gegen mich anzutreten. Daher bleibe ich unbesiegter Champion! :D
Der Sonderpreis für die überzeugendste Motivation geht an Jens. Der hat mir nicht nur im persönlichen Gespräch hilfreiche Tipps gegeben, sondern mir auch am Tag vor dem Lauf noch Mut zugemailt. Außerdem ist er in Köln 3:08 gelaufen, was ihn als kompetenten Motivator ausweist.
Den Sonderpreis für die originellste Motivation verdient sich Ruth. Und diese Motivation sah so aus: "Ich habe deine Ausschreibung gelesen und mich spontan in dich verknallt." Ja, was will man denn mehr?
Alle anderen sind in den Lostopf gewandert. Und aus dem dichten Gedränge gezogen wurden Andrea, Martin und Judith. Die glücklichen Gewinner wurden schon benachrichtigt.
Mein herzlicher Dank an alle, die an dem Spaß teilgenommen haben. Diese 4:12:52 hätte ich ohne euch nicht geschafft!
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Die große Frage ist jetzt natürlich ... lässt der Löffler das Laufen wieder sein? Wird er wieder so dick wie vorher? War das sein letzter Marathon?
Kurz und bündig: NÖ! Nächstes Jahr werden die vier Stunden geknackt. Und 2010 muss Kenia zittern, ha!
Kohlenhydratspeicher: voll
Oh je.
Einmal werden wir noch wach, heißa, dann ist Marathontag. Das muss man sich mal klarmachen: Man steht zu nachtschlafener Zeit auf, fährt eine Stunde mit dem Auto nach Frankfurt, mischt sich unter ca. 12.000 Leute, um dann 42 KM zu rennen, was - in meinem Fall - irgendwo zwischen 4 und 5 Stunden dauern wird.
Was bedeutet das außer der Tatsache, dass man einen an der Waffel hat?
Nun - es signalisiert die letzte Chance, am Gewinnspiel teilzunehmen. Für mich fest steht jetzt schon der Sonderpreis für die beste Motivation und der für die wirksamste Motivation. Über den Rest wird das Los entscheiden.
Aber wohl erst am Dienstag.
Montag früh muss ich tatsächlich zu den Cademar-Hörbuch-Aufnahmen, weswegen ich mich nach dem Marathon nicht nach Hause begebe, sondern in ein Frankfurter Hotel schleife, literweise Apfelschorle trinke und mich langmache, um dann in hoffentlich alter Frische am Montag die A3 hinauf zu brausen.
Erste Ergebnisse der Kohlenhydratverbrennung werden am Sonntag zeitnah auf meinem Twitter-Account stehen (also auch hier auf der Seite rechts), und irgendwann Dienstag folgt die große Abrechnung hier im Blog.
Go green!
Auf der Startseite befindet sich das "Jagd"-Cover. Ein Entwurf - wahrscheinlich wird der Untertitel noch verkleinert. Aber die Richtung bleibt so.
Aufgehorcht!
Denn ich kündige nicht alle Nase lang ein neues Buch an. Wenn man das überhaupt eine Ankündigung nennen will. Ähm, es ist eher ein Platzhalter. Und es werden noch viele Monate vergehen, bis die Butter für die Fische eintrifft. Ich freue mich trotzdem schon mal.
Buchmesse-Retrospektive
Aber nicht nur zur aktuellen Buchmesse, nein. Mit der Veranstaltung in Frankfurt verbinden mich viele Erinnerungen, und ich nehme die aktuelle zum Anlass für einen kleinen, persönlichen Rückblick.
1996. Meine erste Buchmesse - als Praktikant für einen Software-Distributor. Standdienst. Präsentation von Lernspielen, 9 Stunden pro Tag, 5 Tage lang. Buchhändler, die ein Produkt umfassend in 30 Sekunden erklärt haben wollen. Langfinger, die Versionen schneller aus den Rechnern stehlen, als Schlüssel umgedreht werden können. Danach fertig mit der Welt.
2000. Mein erster Besuch als "Autor"! Zum Lektorengespräch! Mächtig stolz! Lektor kündigt kurz nach der Messe. Kurz darauf wird der Verlag verkauft. Thema Bücher erstmal erledigt. Danach Schnauze voll von Buchmesse.
2005. Anderer Verlag, wieder Lektorengespräch. Einbestellt worden, Verlag kam auf mich zu, nicht umgekehrt. Aber: Lektorin desinteressiert. Achselzuckend heimgefahren. Nie wieder etwas gehört. Lektorin kündigt kurz nach der Messe. Verlag gibt es aber noch. Thema Bücher mal wieder erledigt. Ich gucke BoD-Preislisten an.
2006. Der Bundespräsident entsteigt vor mir aus der Limousine und ignoriert mich. Handfestes Spreeside-Gespräch. Vertragliche Einigung im Burger-Restaurant von Halle 4. Becker-Faust. Draußen strahlend Klaus Frick davon erzählt, der es prompt in sein Blog schreibt.
2007. Erstmals ein eigenes Buch in einem verborgenen Eck auf einem Gemeinschaftsstand ausgestellt. Mächtig stolz! Keine Lektoren kündigen. Das zweite Buch auf den Weg gebracht.
Und 2008?
Nun - ein neuer Höhepunkt. Buch #3 ist fertig und erscheint bald, die Bücher #4, #5 und #6 sind auf den Weg gebracht - und ein weiteres mögliches wurde feilgeboten. Und Buch #6 ist keines, das auf der bisherigen Liste zu finden ist ... :) Außerdem viele begnadete Kollegen getroffen und rundum Spaß gehabt, trotz der teuersten Lasagne meines jungen Lebens.
Kurzum: Für mich hat sich die Buchmesse von einer Freakshow zum echten Geschäftstermin gewandelt. Und es hat nur 12 Jahre gedauert.
Das untote Blog
Guck an. Es ist wieder da. Kommando zurück.
Demnächst hier: Meine Gedanken zum Schreiben von Fortsetzungen. Jetzt, wo ich zum ersten Mal eine fertig habe.
Drachensteigen
"Die Jagd" ist fertig. Und ja, die Uhrzeit dieses Eintrags ist authentisch. Aber nein, das heißt nicht, dass ein Erscheinen unmittelbar bevorsteht. Und doch, das heißt, dass ich jetzt Urlaub mache. Einen Tag. Und dass ich mich rasieren kann. Sätze zu twittern wie "Ich rasiere mich erst wieder, wenn der Roman fertig ist", werde ich aus ästhetischen Gründen in Zukunft vermeiden.
Antville eingebuddelt
Mein altes Blog ist weg. Es kommt nur noch eine Fehlermeldung. Vielleicht ist es nur vorübergehend offline, aber ich vermute, es kehrt nicht zurück. Zum Glück habe ich mir die Mühe gemacht, alle Beiträge (und Kommentare) manuell in ein .RTFD rüberzukopieren. Falls jemand wissen möchte, was mir 2004 bis 2007 durch den Kopf ging (und was so kommentiert wurde), kann sich das File gern von mir schicken lassen.
Update 9.10.: Es lebt wieder!
Die Blogger mit Amboss
Wenn Fantasy-Autoren ein Blog eröffnen, ist das einen Hinweis wert. Wenn es schizophrene Autoren sind, umso mehr. Wobei schizophren es nicht ganz trifft, denn es handelt sich hier tatsächlich um zwei Autoren, die aber kein gemeinsames Pseudonym haben, sondern sich in einer langen, nächtlichen Würfelsession, bei der auch Red Bull, Doppelkorn und mehrere Zwergkaninchen involviert waren (sagte man), auf einen Namen geeinigt, den einer der beiden wirklich trägt.
Verwirrend.
"Im Blogschke" nennt sich das Ganze, und der Name, der dahintersteht, ist Thomas Plischke, der (bzw. die) jetzt im Oktober sein (ihr) Debüt "Die Zwerge von Amboss" veröffentlicht (veröffentlichen). Zumindest sein (ihr) eigenständiges Fantasy-Debüt, in anderen Fantasy-Welten ist er (sind sie) längst unterwegs und hat (haben) auch ein Hörspiel zu "Sacred 2" geschrieben, für das wiederum Kollege Hardebusch einige Quests entworfen hat und für dessen Vorgänger "Underworld" ich wiederum ein paar Texte geschrieben habe.
Auch verwirrend.
Noch verwirrender sind offenbar einige Studiengänge. Und ich dachte, Mittelhochdeutsch hätte mir seinerzeit schon die linke Hirnhemisphäre zerschossen ...


