Entzug, Tag 2

Pluspunkt: Der Nokia-Wecker ist wesentlich angenehmer als das Rumgehupe des iPhones. Letzteres bietet nur eine Auswahl unangenehmer Geräusche. Hatte mich immer für "Harfe" entschieden, das mich trotzdem genervt hat. Das Nokia-Klingelgeräusch beginnt leise, wird langsam lauter - kommt mir entgegen.

Eines meiner Hauptprobleme des iPhones ist außerdem behoben: Die Klingeltonlautstärke. Allzu oft habe ich das iPhone überhaupt nicht gehört, obwohl ich Maximallautstärke eingestellt hatte und eigene Klingeltöne in Schreifrequenzen hochgepegelt hatte. Wenn man ein Nokia-Handy auf "Maximale Lautstärke" stellt, legt es jede Höflichkeit ab. Auch das kommt mir entgegen.

Überhaupt: Profile. Beim iPhone kann man nur Klingelton ein/aus schalten und im Menü die Lautstärke einstellen und Vibration. Nun wieder Profile zu haben, die sich mit einem Klick aktivieren lassen ... schön.

Es gibt einen gratis Sports Tracker fürs GPS! Extrem praktisch - hatte schon mit einer Garmin Forerunner geliebäugelt, die kann ich mir jetzt sparen. Klar, so was gibt's auch für GPS-iPhones, aber seien wir ehrlich: Nichts ist alberner als ein Jogger mit einer iPhone-Schildplatte am Oberarm, als wollte er damit Schwerthiebe von Hunnen abhalten. Mit einem Nokia kann man vielleicht keine Invasorenangriffe abwehren, aber es subtiler mit sich tragen.

Nachteilig: Der Ovi Store. Umständliches Rumgefrickele. Noch unübersichtlicher als der App Store. Usability ist ein Jammer. Alles halb so wild, wenn man erstmal seine Programme installiert hat, aber mal kurz gucken, was es so gibt, ist unlustig. Immerhin: Man kann über die Telefonrechnung bezahlen, muss nicht extra seine Kreditkarte anmelden.

Schreckmoment: Die Gratis-Software "Snaptu", die Twitter unterstützt, kann keine Fotos hochladen. Wie soll ich in Zukunft der Welt zeigen, dass Bochum unverständliche Schilder hat? Lösung wäre ein Client namens "Gravity" - da muss ich wohl knapp 10 Luxuseuro investieren ...


Status:

Körperliche Entzugserscheinungen: Haben weiter abgenommen. Die Hand gewöhnte sich langsam wieder daran, physikalische Tasten zu bedienen. Gelegentliche Verwechslung von "Löschen" und "Abbrechen". Behandlung: Fingergymnastik.

Seelische Entzugserscheinungen: Kurz nachgucken, ob Südafrika wirklich verliert, dauert mangels WLAN und im Popel-Browser deutlich länger. Löst leichte Zahnschmerzen aus. Behandlung: Koffein und Waldlauf.

Aktuelle Rückfallwahrscheinlichkeit: 5% oder weniger.