Ich bin dann mal geheilt
Das ist natürlich gelogen.
In ein paar Jahren wird das iPhone alle anderen Handys verdrängt haben, und, ja, dann schaffe ich mir auch wieder eins an.
Mein Experiment endet so, wie es letzte Woche begonnen hat - mit einem sehr launischen E-Netz, nachdem es 1 Jahr lang hier ohne Probleme lief. Sollte ich also jetzt per Handy nicht erreichbar sein, dürft ihr mir gern unter die Nase reiben, dass ich selbst schuld bin. Ihr könnt mit euren iPhones wedeln, rumhüpfen und "NÄNÄNÄNÄ" singen. "Du, guck mal, der hat ein ... Nokia." / "Komm, wir gehen lieber auffe anderen Straßenseite."
Aber immerhin, der Test in der nächstbesten Stadt (Fulda) hat gezeigt: UMTS - auch ohne HSDPA - ist so schnell, wie es früher das Pseudo-DSL bei uns in der Pampa war. Das ist Fluch und Segen gleichermaßen. Ich kann unterwegs ohne Probleme größere Dateien hin- und herschieben, sollte aber nicht der Versuchung erliegen, immer nebenbei mein Notebook ins Netz einwählen zu lassen.
Wo hakt's? Die Löschen- und Abbruch-Tasten sind etwas nah beeinander. Wer mühevoll einen intelligenten Tweet komponiert hat (was mit T9 und meinem geschlauchten Hirn einige Zeit dauert) und dann nur das letzte Zeichen ändern will, aber "Abbrechen" anwählt und alles ins Nirvana schickt - jo, der wünscht sich durchaus die virtuelle Tastatur des iPhones zurück. Aber damit kann ich mich arrangieren.
Ein Wochenende ohne iPhone
UND ICH LEBE NOCH!
Also: Es funktioniert.
Aber ich muss mich geistig auf einen Augenblick der Versuchung einstellen. Wenn ich nächstes Mal in die Nähe eines T-Punktes komme, kann ich das SIM-Lock meines iPhones entfernen lassen. Ab dann läuft es mit jeder SIM-Karte. Auch mit der neuen. Ich könnte es dann wieder benutzen, als wäre nichts gewesen ... als hätte ich diesen Entzug nie hinter mich gebracht
Obwohl ich das Nokia übers Wochenende normal benutzt habe, zuckt die Akku-Anzeige kaum. So muss das sein.
Status:
Körperliche Entzugserscheinungen: Zwei Mal bei dem Versuch ertappt, auf dem Display des Nokia etwas antippen zu wollen. Daraufhin debil gekichert. Peinlich genug, keine weitere Therapie nötig.
Seelische Entzugserscheinungen: Überwunden.
Aktuelle iPhone-Rückfallwahrscheinlichkeit: 2%.
Entzug, Tag 3
Erleichterung: "Gravity" hat TwitPic integriert. Meine bildhafte Mitteilsamkeit ist sichergestellt, wie man an diesem Test-Tweet sehen kann. Er beweist auch: Die Kamera des C5 (und der dazugehörige Blitz) taugen nicht viel. "Snaptu" ist für Facebook völlig ausreichend, bietet die gleichen Basis-Versionen, die auch die offizielle iPhone-App besitzt. Social Networking: Mission erfüllt.
Mit einer Besonderheit des E-Netzes durfte ich mich gestern auseinandersetzen: Ist ein Handy per GSM eingebucht und es findet eine aktive Datenübertragung per GPRS oder EDGE statt, kommt ein Anruf nicht durch. Ich verstehe die Technik dahinter nicht ganz, aber das D1-Netz ist so ausgerüstet, dass es da möglich ist. Sieht man ja am iPhone - da kommt jeder Anruf durch, immer. Wollte deswegen im ersten Moment zerknirscht sein, aber dann dachte ich mir: Was soll's? Ich bin nicht ewig lang online mit dem Ding. Und ein Anruf kommt immer noch durch, wenn gerade keine Daten übertragen werden. Und wenn das Telefon per UMTS eingebucht ist, hat sich das Problem erledigt. Abgesehen davon landet ein Anrufer auf meiner Mailbox und ich werde im gleichen Moment darüber per SMS informiert. (Das alles gilt wohl auch für die Vodafone- und o2-Netze.) Heißt: Im E-Netz zahle ich etwa die Hälfte und kann gleichzeitig in Ruhe surfen. Wir jungen Leute nennen so was epic win.
Entzug, Tag 2
Pluspunkt: Der Nokia-Wecker ist wesentlich angenehmer als das Rumgehupe des iPhones. Letzteres bietet nur eine Auswahl unangenehmer Geräusche. Hatte mich immer für "Harfe" entschieden, das mich trotzdem genervt hat. Das Nokia-Klingelgeräusch beginnt leise, wird langsam lauter - kommt mir entgegen.
Eines meiner Hauptprobleme des iPhones ist außerdem behoben: Die Klingeltonlautstärke. Allzu oft habe ich das iPhone überhaupt nicht gehört, obwohl ich Maximallautstärke eingestellt hatte und eigene Klingeltöne in Schreifrequenzen hochgepegelt hatte. Wenn man ein Nokia-Handy auf "Maximale Lautstärke" stellt, legt es jede Höflichkeit ab. Auch das kommt mir entgegen.
Überhaupt: Profile. Beim iPhone kann man nur Klingelton ein/aus schalten und im Menü die Lautstärke einstellen und Vibration. Nun wieder Profile zu haben, die sich mit einem Klick aktivieren lassen ... schön.
Es gibt einen gratis Sports Tracker fürs GPS! Extrem praktisch - hatte schon mit einer Garmin Forerunner geliebäugelt, die kann ich mir jetzt sparen. Klar, so was gibt's auch für GPS-iPhones, aber seien wir ehrlich: Nichts ist alberner als ein Jogger mit einer iPhone-Schildplatte am Oberarm, als wollte er damit Schwerthiebe von Hunnen abhalten. Mit einem Nokia kann man vielleicht keine Invasorenangriffe abwehren, aber es subtiler mit sich tragen.
Das Nokia-Methadonprogramm beginnt
Mein E-Netz ist wieder da! Das Experiment des Grauens kann hiermit fortgesetzt werden.
Mein Dank geht erstmal an die Telekom, die meinen Versuch, einen Leben ohne iPhone zu führen, so konsequent unterstützt und die Preise fürs iPhone 4 lustig anzieht, ohne irgendwas an ihren jämmerlichen Tarifen zu ändern.
Die günstigste Möglichkeit, ein iPhone 4 zu erwerben, rechnet sich aktuell so aus:
- iPhone 4 16 GB: 299,95 €
- Bereitstellung: 24,95 €
- Tarif: 24 x 24,95 = 598,80 €
Gesamt: 923,70 € über 2 Jahre.
Umgerechnet also 38,49 monatlich. Und dafür darf man 50 Min telefonieren und 200 MB sörfen (aber nicht auf dem Notebook). Alles darüber hinaus kostet extra. Und nicht wenig.
Mit dem Nokia C5 werde ich langsam warm. Mailaccounts, Twitter und Facebook laufen rund, Sprachqualität ist ok, Synch mit dem Mac kein Problem. Sehr schön: Es gibt Software, die das GPS als Sport-Tracker beispielsweise beim Joggen mitlaufen lässt. Spart man sich die Garmin-Uhr. Auch Ovi Maps ist sehr gut bedienbar, auch auf dem kleineren Screen.
Stimmenlos
... bin ich jetzt. Fast. Habe beim Living Games Festival drei Tage lang durchgequatscht. Und bedanke mich bei allen, die zuhören mu-, äh, wollten. Lustig war's, vielen Dank fürs Kommen! Ich würde ja ein paar Bilder oder Videos verlinken oder Anekdoten zum Besten geben, aber ich will mir nicht den Ruf als seriöser, ernster Denker & Philosph verderben.
Das alljährliche Sommerspiel "Ersetze deinen Router, weil Gewitter das Modem kaputtmacht" ist hiermit auch erfolgreich abgeschlossen. Eine weitere technische Transplantation steht noch an. In den nächsten Tagen werde ich das Blog öfter beehren, mit dem Nokia-Methadonprogramm, in dessen Rahmen ich im Selbstversuch herausfinden will, ob ich iPhone-süchtig bin oder nicht.
Das Nokia C5 ist heute bei mir aufgeschlagen und trägt nun probehalber meine Zweitnummer in sich. Eine E-Netz-SIM. Ich werde die iPhone-Anruf dorthin weiterleiten und das Nokia TESTWEISE als Haupthandy verwenden. Spätstens nächste Woche Freitag wird dann entschieden, ob das Nokia zurückgeht und ich iPhone-rückfällig werde - oder nicht.
Neues Händy!
Oh ja, ich habe ein neues Handy bestellt!
Was?
iPhone 4?
Nein. Nach 2 Jahren ist nun mein T-Möbel-Vertrag erfüllt, und ich mache winke-winke.
Ich weiß, eine Welt bricht zusammen. Wie kann er nur?
Als jemand, der deutlich zu viel Zeit darauf verwendet, über seine Gadgets nachzudenken, darf ich ein wenig ausführen, was mich am iPhone (2G) dann doch so sehr gestört hat, dass ich einen Rückschritt mache:
- Akku. Etwas paradox: Nutzt man alles, was das iPhone so bietet, hat man ein Problem - nämlich nachmittags kein Handy mehr.
- Modem. Nein, ich zahle nicht NOCH mehr, um das iPhone als Modem fürs Notebook verwenden zu können.
- Größe und Gewicht. Das Teil ist wirklich kein Backstein, aber halt schwerer und größer als ein klassisches Handy.
- "Complete"-Tarife. Haha. Komplett ist daran nur die Verzweiflung, wenn man umrechnet, was man pro Minute zahlt.
Wegen alledem habe ich mein altes Nokia mit einer SIM-Karte im E-Netz nach wie vor im Einsatz, nämlich als Modem und günstige Alternative, wenn die Inklusivminuten des iPhones aufgebraucht sind.
